Alles über Wolle
Wolle ist unbestritten eines unserer Lieblingsmaterialien. Bist Du auch so ein großer Fan oder müssen wir Dich erst überzeugen? Wolle bringt von Natur aus viele besondere Eigenschaften mit und ist unglaublich vielseitig – von feiner Unterwäsche über Pullover und Strickjacken bis hin zu Walkbekleidung.
In diesem Ratgeber geht es zunächst um Wolle ganz allgemein: Was kann die Wollfaser, wie sollte man Wollkleidung pflegen und was hilft bei Pilling oder Motten? Wenn wir speziell von naturbelassener Bio-Wolle sprechen, meinen wir Bio-Wolle, deren natürliche Faserstruktur möglichst erhalten bleibt und die nicht mit einer klassischen Superwash-Ausrüstung oder Kunststoffbeschichtung versehen wurde – wie wir sie beispielsweise bei vielen Artikeln von disana, Engel Natur, Reiff und Cosilana führen.
Inhalt
- Eigenschaften von Wolle
- Wolle richtig pflegen
- Wie oft sollte man Wolle waschen?
- Kann ich einen Wollartikel in der Maschine waschen?
- Wie wasche ich naturbelassene Wolle richtig von Hand?
- Welches Waschmittel eignet sich für naturbelassene Wolle?
- Hilfe, der Wollartikel ist eingelaufen!
- Die Wolle wird kratzig – was tun?
- Was hilft gegen Kleidermotten?
- Was ist Pilling und was kann ich dagegen tun?
1. Eigenschaften von Wolle
Wolle ist ein erstaunlich vielseitiges Material und bringt von Natur aus viele Eigenschaften mit, die sie für Kleidung besonders interessant machen.
Die gekräuselte Struktur der Wollfasern schließt viel Luft ein. Dadurch besitzt Wolle eine gute Wärmeisolierung und kann bei kühleren Temperaturen angenehm wärmen. Gleichzeitig wirkt Wolle temperaturausgleichend, weshalb dünne Wollqualitäten nicht nur im Winter getragen werden können.
Eine weitere Besonderheit ist ihr Umgang mit Feuchtigkeit: Wolle kann Wasserdampf aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben. Dabei kann sie sich vergleichsweise lange trocken anfühlen. Gerade bei Kleidung, die direkt auf der Haut getragen wird, kann das zu einem angenehmen Trageklima beitragen.
Auch die Oberfläche der Wollfaser ist besonders. Flüssigkeit kann auf Wolltextilien zunächst abperlen, sodass sich kleine Spritzer häufig noch entfernen lassen, bevor sie tiefer in das Material eindringen. Wie stark dieser Effekt ausgeprägt ist, hängt unter anderem von Wollart, Verarbeitung und Ausrüstung des Textils ab.
Wollkleidung nimmt außerdem häufig Gerüche weniger schnell an als manche anderen Textilien. Deshalb muss ein Wollpullover oder eine Wolljacke nicht automatisch nach jedem Tragen gewaschen werden. Oft genügt es, das Kleidungsstück zunächst gut auszulüften.
Ein weiterer praktischer Vorteil: Wolle ist relativ knitterarm und muss deshalb häufig nicht gebügelt werden.
Wolle besitzt zudem ein besonderes Brandverhalten: Sie ist vergleichsweise schwer entflammbar und neigt weniger zum Weiterbrennen als viele andere Fasern. Auch deshalb wird Wolle neben Kleidung beispielsweise für Heimtextilien und Dämmstoffe verwendet.
2. Wolle richtig pflegen
2.1. Wie oft sollte man Wolle waschen?
Wollkleidung muss häufig weniger oft gewaschen werden als andere Kleidungsstücke. Ist der Artikel nicht sichtbar verschmutzt, lohnt es sich deshalb, ihn zunächst gründlich auszulüften.
Das schont nicht nur das Material, sondern spart auch Arbeit. Ist eine Wäsche notwendig, solltest Du immer die Pflegehinweise des Herstellers beachten. Besonders naturbelassene Wolle reagiert empfindlich auf zu viel Bewegung, Reibung und starke Temperaturschwankungen.
2.2. Kann ich einen Wollartikel in der Maschine waschen?
Das hängt ganz vom jeweiligen Wollartikel ab. Maßgeblich ist immer das Pflegeetikett. Manche Wolltextilien dürfen im Wollwaschgang der Waschmaschine gewaschen werden, bei anderen schreibt der Hersteller Handwäsche vor.
Bei naturbelassener Bio-Wolle, wie wir sie beispielsweise von disana, Engel Natur, Reiff oder Cosilana führen, solltest Du besonders vorsichtig sein. Die natürliche Schuppenstruktur der Wollfaser ist erhalten und kann sich bei einer ungünstigen Kombination aus Wärme, Feuchtigkeit und Bewegung miteinander verhaken. Das kann zum Verfilzen und Einlaufen des Kleidungsstücks führen.
Ein Wollwaschgang ist außerdem nicht bei jeder Waschmaschine identisch. Temperatur, Trommelbewegung und Schleuderdrehzahl können sich je nach Gerät unterscheiden. Gibt der Hersteller ausdrücklich Handwäsche an, empfehlen wir deshalb auch tatsächlich die Handwäsche.
Aber warum kann ich manche anderen Wollartikel problemlos in der Maschine waschen?
Wollfasern können unterschiedlich verarbeitet und ausgerüstet werden. Eine bekannte Variante ist die sogenannte Superwash-Ausrüstung, durch die Wolle widerstandsfähiger gegen Verfilzen und damit maschinenwaschbarer gemacht werden kann. Naturbelassene Wollqualitäten verzichten bewusst auf solche stark verändernden Ausrüstungen. Deshalb unterscheiden sich auch ihre Pflegeanforderungen.
2.3. Wie wasche ich naturbelassene Wolle richtig von Hand?
Für die Handwäsche benötigst Du ein geeignetes Wollwaschmittel, beispielsweise von disana, ein Frottee-Handtuch und ein Waschbecken oder eine kleine Wanne.
Fülle handwarmes Wasser entsprechend der Pflegeempfehlung des Herstellers ein. Bei vielen naturbelassenen Wollartikeln liegt die empfohlene Waschtemperatur bei etwa 20 bis 30° C.
Gib das Wollwaschmittel nach der Dosieranleitung ins Wasser.
Lege nun den Wollartikel ins Waschwasser. Flecken können – sofern für Material und Farbe geeignet – vorher vorsichtig mit einem geeigneten Fleckenmittel behandelt werden.
Drücke den Wollartikel im Wasser vorsichtig einige Male durch. Nicht reiben, rubbeln oder wringen. Starke mechanische Bewegung kann das Verfilzen der Wollfasern begünstigen.
Anschließend wird das Kleidungsstück vorsichtig mit frischem Wasser ausgespült. Verwende dafür Wasser mit möglichst ähnlicher Temperatur wie beim Waschen und vermeide starke Temperaturwechsel.
Drücke überschüssiges Wasser vorsichtig aus dem Kleidungsstück. Bitte nicht wringen.
Anschließend den Wollartikel vorsichtig wieder in Form ziehen und möglichst liegend trocknen. Ein Frottee-Handtuch auf dem Wäscheständer nimmt zusätzlich Feuchtigkeit auf.
Wollkleidung sollte nicht unmittelbar auf einer heißen Heizung oder in starker direkter Sonne trocknen. Ein gut belüfteter Platz eignet sich besser.
Fertig!
2.4. Welches Waschmittel eignet sich für naturbelassene Wolle?
Für naturbelassene Wollartikel solltest Du ein speziell für Wolle geeignetes Waschmittel ohne eiweißspaltende Enzyme verwenden. Solche Enzyme können die aus Eiweiß aufgebaute Wollfaser angreifen.
Ein Beispiel ist das Waschmittel für Wolle, Seide und Felle – Kindertextilien von Ulrich natürlich. Auch das Wollshampoo von disana ist für die Pflege entsprechender Wolltextilien geeignet.
Je nach Produkt können Wollwaschmittel außerdem rückfettende Bestandteile enthalten. Wichtig ist jedoch immer, dass das Waschmittel für das jeweilige Wolltextil geeignet ist und die Dosierungs- und Pflegehinweise beachtet werden.
2.5. Hilfe, der Wollartikel ist eingelaufen!
… und plötzlich ist der Lieblingspullover deutlich kleiner oder fühlt sich fest und verfilzt an. Was kann man tun?
Ist ein Wollartikel stark verfilzt, lässt sich die ursprüngliche Faserstruktur in der Regel nicht vollständig wiederherstellen. Die Wollfasern haben sich dabei dauerhaft miteinander verhakt.
Bei einem nur leicht verzogenen oder eingelaufenen Kleidungsstück kannst Du versuchen, es nach einem kurzen Bad in handwarmem Wasser vorsichtig wieder in Form zu ziehen. Dabei nicht stark zerren und besonders auf die Nähte achten. Anschließend flach liegend in der gewünschten Form trocknen lassen.
2.6. Die Wolle wird kratzig – was tun?
„Wolle kratzt“ hört man häufig – dabei gibt es bei Wollfasern große Unterschiede. Besonders feine Wollqualitäten wie Merinowolle können sich sehr weich anfühlen. Ob Wolle als kratzig empfunden wird, hängt unter anderem von der Feinheit und Beschaffenheit der Fasern sowie von der persönlichen Hautempfindlichkeit ab.
Fühlt sich ein Wollartikel nach einiger Zeit weniger weich an, können unter anderem Ablagerungen durch falsches Waschmittel, starke Beanspruchung oder Veränderungen an der Oberfläche eine Rolle spielen.
Tipp 1: Pilling vorsichtig entfernen. Kleine Knötchen können die Oberfläche rauer wirken lassen. Mehr dazu findest Du weiter unten.
Tipp 2: Verwende ausschließlich ein geeignetes Wollwaschmittel und achte auf die richtige Dosierung. Waschmittelreste sollten gründlich ausgespült werden.
Tipp 3: Bei Wollartikeln, für die eine rückfettende Pflege geeignet ist, kann gelegentlich eine Lanolinpflege, zum Beispiel von Ulrich natürlich, sinnvoll sein. Beachte dabei die Pflegehinweise des jeweiligen Kleidungsstücks.
2.7. Was hilft gegen Kleidermotten?
Kleidermotten können bei Wolltextilien großen Schaden anrichten. Nicht die ausgewachsenen Motten, sondern ihre Larven fressen keratinhaltige Fasern wie Wolle und können dadurch kleine Löcher oder kahle Stellen verursachen.
Vorbeugung:
- Wollartikel, die längere Zeit nicht getragen werden, sollten sauber und trocken eingelagert werden.
- Für eine längere Lagerung können gut schließende Aufbewahrungsboxen oder Kleidersäcke hilfreich sein.
- Schränke, Böden, Ritzen und Lagerbereiche regelmäßig reinigen und absaugen.
- Wollkleidung gelegentlich herausnehmen, kontrollieren und bewegen.
- Lavendel oder Zedernholz werden traditionell in Kleiderschränken verwendet. Sie ersetzen jedoch keine Kontrolle auf einen vorhandenen Mottenbefall.
- Pheromonfallen können helfen festzustellen, ob Kleidermotten vorhanden sind. Sie dienen vor allem der Kontrolle und beseitigen einen Befall nicht vollständig.
- Bei einem Mottenbefall sollten betroffene Textilien und der Aufbewahrungsort gründlich kontrolliert und entsprechend behandelt werden.
2.8. Was ist Pilling und was kann ich dagegen tun?
Was ist Pilling?
Als Pilling bezeichnet man kleine Faserknötchen, die sich auf der Oberfläche eines Textils bilden. Bei weichen Wollqualitäten ist Pilling nichts Ungewöhnliches und kann je nach Faser, Verarbeitung und Beanspruchung unterschiedlich stark auftreten.
Pilling tritt auch bei naturbelassener Wolle auf.
Wie entsteht Pilling?
An der Oberfläche eines Wolltextils stehen immer kleine Faserenden hervor. Durch Reibung können sich einzelne Fasern weiter aus dem Garn lösen, miteinander verhaken und schließlich kleine Knötchen bilden.
Typische Stellen sind deshalb Bereiche, an denen das Kleidungsstück häufig an anderer Kleidung, Taschen, Gurten oder Möbeln reibt.
Was kann ich dagegen tun?
Die wichtigste Maßnahme ist, unnötige Reibung zu vermeiden. Besonders raue oder stark strukturierte Oberflächen können Pilling begünstigen.
Bei neuen Wollartikeln kann sich die Pillingbildung nach einiger Zeit auch von selbst reduzieren, wenn lose Fasern an der Oberfläche nach und nach entfernt wurden.
Bekomme ich Pilling wieder weg?
Ja. Kleine Wollknötchen können vorsichtig mit einer geeigneten Wunderbürste® von Leistner, einem Wollkamm oder – je nach Oberfläche – einem Fusselrasierer entfernt werden.
Lege das Kleidungsstück dafür glatt auf eine feste Unterlage und arbeite besonders vorsichtig, damit keine Maschen oder Fasern beschädigt werden.
Gerade bei feinem Strick solltest Du nicht zu viel Druck ausüben. Bei grobem Strick oder empfindlichen Maschen ist eine Wollbürste beziehungsweise ein Wollkamm häufig die bessere Wahl.
Hilft Lanolin gegen Pilling?
Lanolin wird zur rückfettenden Pflege bestimmter Wolltextilien eingesetzt. Eine solche Pflege kann bei geeigneten naturbelassenen Wollartikeln sinnvoll sein, sollte aber nicht als Mittel gegen Pilling verstanden werden. Pilling entsteht in erster Linie durch lose Fasern und mechanische Reibung.
Wenn Du eine Lanolinpflege verwenden möchtest, beachte deshalb die Angaben des Herstellers und die Dosierung des jeweiligen Pflegeprodukts.