Fleckenlexikon
Ein Rotweinfleck auf Deinem Lieblingspulli? Die Tomatensoße hat gespritzt? Der Kakao von Deinem kleinen Liebling ist nicht in ihm, sondern auf ihm gelandet? Keine Panik! Viele Flecken lassen sich gut entfernen, wenn sie richtig behandelt werden – und vor allem, wenn Du schnell reagierst.
In unserem Fleckenlexikon findest Du Tipps für typische Flecken aus dem Familienalltag und darüber hinaus. Wichtig ist dabei immer das Material: Was ein Baumwollshirt problemlos verträgt, kann für Wolle oder Seide viel zu aggressiv sein. Beachte deshalb immer das Pflegeetikett und teste Fleckenmittel zunächst an einer unauffälligen Stelle.
Die wichtigsten Regeln bei Flecken
Im Zweifel zuerst kalt
Eine der wichtigsten Regeln bei der Fleckenbehandlung lautet: Im Zweifel zuerst kaltes Wasser verwenden. Besonders bei eiweißhaltigen Flecken wie Blut, Ei, Milch, Muttermilch oder Milchbrei kann heißes Wasser die Entfernung erschweren. Durch Wärme verändert sich das Eiweiß und kann sich stärker mit den Fasern verbinden.
Heißes oder sogar kochendes Wasser ist deshalb kein allgemeines Fleckenmittel. Es gibt allerdings einzelne Ausnahmen – unser Lieblingstrick bei Erdbeer- und Himbeerflecken gehört dazu.
Frische Flecken möglichst schnell behandeln
Je weniger Zeit ein Fleck zum Eintrocknen hat, desto besser sind häufig die Chancen, ihn wieder vollständig herauszubekommen. Flüssigkeiten zunächst mit einem saugfähigen Tuch aufnehmen und dabei möglichst tupfen statt reiben.
Von hinten ausspülen
Wenn es möglich ist, halte die Rückseite des Flecks unter das Wasser. So wird die Verschmutzung eher wieder aus dem Gewebe herausgespült, statt noch tiefer hineingedrückt zu werden.
Erst trocknen, wenn der Fleck wirklich weg ist
Kontrolliere das Kleidungsstück nach dem Waschen, bevor es in den Wäschetrockner kommt. Wärme kann verbliebene Flecken stärker im Gewebe fixieren. Ist noch etwas zu sehen, lieber noch einmal behandeln.
Wolle und Seide besonders vorsichtig behandeln
Bei Wolle und Seide solltest Du weder stark reiben noch hohe Temperaturen verwenden. Nutze nur Fleckenmittel, die für das jeweilige Material geeignet sind. Bei empfindlichen oder hochwertigen Textilien kann im Zweifel auch eine professionelle Reinigung die bessere Wahl sein.
Typische Flecken aus dem Familienalltag
Milch, Muttermilch & Milchbrei
Unbedingt zuerst kalt ausspülen. Milch enthält Eiweiß, das durch Wärme stärker an der Faser haften kann. Frische Flecken möglichst von der Rückseite mit kaltem Wasser ausspülen. Anschließend mit einem geeigneten Wasch- oder Fleckenmittel vorbehandeln und nach Pflegeetikett waschen.
Babybrei
Überschüssigen Brei vorsichtig mit einem Löffel oder Messerrücken abnehmen und den Fleck anschließend mit kaltem Wasser ausspülen. Danach richtet sich die weitere Behandlung nach den Zutaten. Bei Milchbrei gilt die Eiweiß-Regel: kalt bleiben. Bei Gemüse- oder Obstbrei können Gallseife oder ein geeignetes Fleckenmittel helfen.
Karotte, Kürbis & orange Gemüseflecken
Reste zunächst vorsichtig entfernen und den Fleck mit kaltem Wasser ausspülen. Anschließend mit Gallseife oder einem geeigneten Fleckenmittel vorbehandeln und nach Pflegeetikett waschen.
Unser Tipp bei einem verbliebenen orangefarbenen Schatten: Das noch feuchte Kleidungsstück nach dem Waschen in die Sonne hängen oder legen. Die für die orange Farbe verantwortlichen Pflanzenpigmente können durch Licht nach und nach verblassen. Bei dunklen oder kräftig gefärbten Textilien solltest Du allerdings vorsichtig sein, denn starke Sonne kann auch die Textilfarbe ausbleichen.
Erdbeeren, Himbeeren & andere Beeren
Frische Beerenflecken kannst Du zunächst mit kaltem Wasser ausspülen.
Bei Erdbeer- und Himbeerflecken haben wir aber noch einen Lieblingstrick: Bei robusten und hitzebeständigen Baumwoll- oder Leinentextilien den Stoff über eine Schüssel oder das Waschbecken spannen und vorsichtig kochendes Wasser durch den Fleck gießen. Häufig verschwindet ein frischer Beerenfleck dabei bereits ohne zusätzliches Fleckenmittel.
Nicht bei Wolle, Seide oder anderen hitzeempfindlichen Textilien anwenden. Auch bei Baumwolle und Leinen muss das Pflegeetikett die hohe Temperatur zulassen.
Stuhl
Feste Rückstände zunächst vorsichtig entfernen. Den Fleck anschließend möglichst schnell von der Rückseite mit kaltem Wasser ausspülen. Danach mit einem geeigneten Fleckenmittel vorbehandeln und nach Pflegeetikett waschen.
Bei hellen und dafür geeigneten Textilien kann bei verbleibenden Verfärbungen ein Sauerstoffbleichmittel wie Fleckensalz eingesetzt werden.
Urin
Frische Urinflecken möglichst sofort mit kaltem Wasser ausspülen und das Kleidungsstück anschließend nach Pflegeetikett waschen. Bei eingetrockneten Flecken kann ein Einweichen vor der Wäsche helfen. Bleibt nach dem Waschen ein Geruch zurück, sind häufig noch Rückstände im Gewebe vorhanden und die Behandlung sollte wiederholt werden.
Schokolade & Kakao
Feste Schokoladenreste zunächst vorsichtig abheben. Da Schokolade und Kakao sowohl Fett als auch Eiweißbestandteile enthalten können, solltest Du auch hier mit kaltem Wasser beginnen. Anschließend kann der Fleck mit Gallseife oder einem geeigneten Fleckenmittel vorbehandelt und danach normal gewaschen werden.
Matsch & Erde
Hier gilt ausnahmsweise: erst einmal gar nichts machen und trocknen lassen. Feuchten Matsch nicht in den Stoff einreiben. Sobald die Erde vollständig trocken ist, möglichst viel ausschütteln oder mit einer weichen Bürste entfernen. Erst den verbleibenden Fleck anschließend behandeln und waschen.
Grasflecken
Grasflecken nicht stark in den Stoff einreiben. Bei robusten Textilien kann eine Vorbehandlung mit Gallseife oder einem geeigneten Fleckenmittel helfen. Bei hellen und dafür geeigneten Textilien kann bei verbliebenen Verfärbungen anschließend Fleckensalz eingesetzt werden.
Wolle und Seide sollten wesentlich vorsichtiger und nur mit einem für das jeweilige Material geeigneten Mittel behandelt werden.
Sonnencreme
Sonnencreme kann fettige, gelbliche oder manchmal sogar überraschend orange bis rostfarbene Flecken auf Kleidung hinterlassen. Deshalb lohnt es sich, Sonnencremereste möglichst vor der Maschinenwäsche zu behandeln.
Überschüssige Creme zunächst vorsichtig abnehmen. Anschließend etwas flüssiges Waschmittel oder einen kleinen Tropfen Spülmittel auf den Fleck geben, vorsichtig einarbeiten und einige Minuten einwirken lassen. Danach gründlich ausspülen und das Kleidungsstück entsprechend dem Pflegeetikett waschen.
Warum kann Sonnencreme plötzlich orange werden? Einige Sonnencremes enthalten den UVA-Filter Avobenzon, den Du in der Inhaltsstoffliste unter der Bezeichnung Butyl Methoxydibenzoylmethane findest. Dieser UV-Filter wird auch in manchen Sonnenschutzprodukten für Kinder eingesetzt. Avobenzon kann mit Eisenbestandteilen im Waschwasser reagieren. Dadurch können gelb-orange bis rostfarbene Verfärbungen entstehen – besonders bei entsprechend mineralhaltigem Wasser.
Vorbeugen: Sonnencreme nach dem Auftragen möglichst gut einziehen beziehungsweise antrocknen lassen, bevor Kleidung darüberkommt. Hat das Shirt bereits Creme abbekommen, den Fleck möglichst vor der Maschinenwäsche mit flüssigem Waschmittel oder Spülmittel vorbehandeln. Dadurch wird ein Teil der öligen Sonnencremereste entfernt, bevor sie mit dem Waschwasser in Kontakt kommen.
Ist der Fleck bereits orange geworden: Nicht einfach mit Bleichmittel behandeln. Solche Verfärbungen verhalten sich teilweise eher wie Rost- oder Mineralflecken als wie klassische Fettflecken. Bei robusten, farbechten Textilien kann ein dafür geeigneter säurehaltiger Flecken- beziehungsweise Rostentferner helfen. Vorher unbedingt an einer unauffälligen Stelle testen und das Pflegeetikett beachten.
Blütenstaub
Bei Blütenstaub gilt zuerst: nicht reiben und nicht sofort mit Wasser behandeln. Lose Pollen möglichst vorsichtig ausschütteln oder mit einem Stück Klebeband aufnehmen. Durch Reiben können die Farbpigmente tiefer in die Fasern gelangen.
Erst wenn möglichst viel trockener Blütenstaub entfernt wurde, verbleibende Rückstände entsprechend dem Material weiterbehandeln.
Weitere häufige Flecken
Blut & andere Eiweißflecken
Immer mit kaltem Wasser beginnen. Frische Blutflecken möglichst sofort von der Rückseite ausspülen. Bei robusten Baumwoll- und Synthetiktextilien kann anschließend Gallseife oder ein geeignetes Fleckenmittel verwendet werden.
Bei Wolle und Seide besonders vorsichtig arbeiten und keine hohen Temperaturen verwenden.
Ei & Eigelb
Überschüssiges Ei vorsichtig mit einem saugfähigen Tuch aufnehmen und anschließend nur kalt ausspülen. Heißes Wasser kann das Eiweiß gerinnen lassen und die Entfernung deutlich erschweren.
Fett & Öl
Überschüssiges Fett zunächst mit einem saugfähigen Tuch aufnehmen. Bei robusten Textilien kann etwas flüssiges Waschmittel, Spülmittel oder Gallseife auf den Fleck gegeben werden. Kurz einwirken lassen und anschließend entsprechend dem Pflegeetikett waschen.
Bei frischen Fettflecken kann auch Speisestärke oder Kartoffelstärke helfen: aufstreuen, das Fett eine Weile aufnehmen lassen und anschließend vorsichtig ausbürsten.
Wolle und Seide nicht stark reiben. Hier kann bei frischen Fettflecken zunächst ein saugfähiges Pulver wie Stärke oder Talkum sinnvoll sein, das später vorsichtig entfernt wird.
Tomatensoße
Überschüssige Soße vorsichtig abnehmen und den Fleck zunächst mit kaltem Wasser von der Rückseite ausspülen. Anschließend kann der Fleck bei geeigneten Textilien mit Gallseife oder einem geeigneten Fleckenmittel vorbehandelt werden.
Tomatensoße enthält häufig zusätzlich Fett. Bei öligen Soßen kann deshalb eine Vorbehandlung mit etwas flüssigem Waschmittel sinnvoll sein.
Make-up
Make-up enthält häufig Öle, Wachse und Farbpigmente. Überschüssiges Produkt deshalb zunächst vorsichtig abnehmen, ohne den Fleck weiter zu verteilen. Bei waschbaren und robusten Textilien etwas flüssiges Waschmittel auf den Fleck geben, kurz einwirken lassen und anschließend nach Pflegeetikett waschen.
Bei Wolle, Seide oder empfindlichen Farben nur speziell geeignete Fleckenmittel verwenden.
Obstflecken
Frische Obstflecken möglichst schnell mit kaltem Wasser von der Rückseite ausspülen. Bei robusten Textilien kann anschließend Gallseife oder ein geeignetes Fleckenmittel verwendet werden. Bei hellen und dafür geeigneten Textilien können verbleibende Verfärbungen mit Fleckensalz behandelt werden.
Für Erdbeer-, Himbeer- und andere Beerenflecken findest Du weiter oben unseren speziellen Tipp mit kochendem Wasser.
Rotwein
Frischen Rotwein möglichst sofort mit einem sauberen, saugfähigen Tuch aufnehmen – nicht stark reiben. Anschließend mit kaltem Wasser beziehungsweise Mineralwasser ausspülen. Bei waschbaren, robusten Textilien kann danach ein geeignetes Fleckenmittel verwendet und das Kleidungsstück nach Pflegeetikett gewaschen werden.
Kugelschreiber & Tinte
Kugelschreiber- und Tintenflecken nicht großflächig mit Wasser verreiben. Je nach verwendeter Tinte kann Alkohol bei robusten Textilien helfen. Da Alkohol jedoch Farben und empfindliche Fasern angreifen kann, unbedingt zuerst an einer unauffälligen Stelle testen. Bei Wolle oder Seide lieber auf ein dafür geeignetes Fleckenmittel beziehungsweise eine professionelle Reinigung zurückgreifen.
Kerzenwachs
Wachs zunächst vollständig aushärten lassen und anschließend möglichst viel davon vorsichtig mit einem stumpfen Gegenstand abheben. Bei farbigem Kerzenwachs solltest Du mit Wärme besonders vorsichtig sein, da Farbstoffe dadurch tiefer in den Stoff gelangen können. Verbleibende Fett- oder Farbrückstände anschließend passend zum jeweiligen Material behandeln.
Deo- & Schweißränder
Gelbliche oder weiße Rückstände unter den Armen können aus einer Mischung aus Schweiß, Hautfett, Waschmittel- und Deo-Rückständen entstehen. Bei robusten, waschbaren Textilien die Stelle zunächst mit kaltem bis lauwarmem Wasser ausspülen und mit flüssigem Waschmittel vorbehandeln.
Bei mineralischen Deo-Rückständen können je nach Material auch leicht saure Fleckenmittel hilfreich sein. Auf farbigen, empfindlichen Textilien immer zuerst an einer unauffälligen Stelle testen.
Und wenn der Fleck nicht sofort verschwindet?
Nicht jeder Fleck verschwindet bei der ersten Behandlung. Gerade eingetrocknete Flecken können mehrere Durchgänge benötigen. Wiederhole eine schonende Behandlung lieber, statt sofort zu immer aggressiveren Mitteln oder höheren Temperaturen zu greifen.
Bei empfindlichen Materialien wie Wolle und Seide gilt ganz besonders: Lieber vorsichtig behandeln, als das Kleidungsstück durch Reiben, Hitze oder ein ungeeignetes Fleckenmittel dauerhaft zu beschädigen.